4. Juli 2012

Nordzypern

Hallo,

mein letzter Reisebericht kommt wieder aus Larnaca, dem Anfang und Ziel meiner Rundreise.

Von Lefkosia betrete ich ueber die "Ledra Palace Border" den turkisch besetzten Teil Zyperns. Beim Grenzuebertritt erhalte ich wieder den Einreisestempel auf mein provisorisches Visablatt. Mit dem Rad erreiche ich schnell die Hauptstrassde nach Girne (Kerynea). Sie ist autobahnaehnlich vierspurig ausgebaut. Entsprechend hektisch ist der Verkehr. es geht hoch auf fast 400 m ueber das Kuestengebirge. Von oben "segelt" man dann rasant abwaerts. Ich lande direkt am wunderschoenen Altstadthafen. Die Toouri-Info gibt mir die Adresse des "Cyprus Dorms". Zum erstenmal schlafe ich fuer 10 Euro im Dormitory. Im Prinzip funktioniert das Haus wie eine Jugendherberge, wenn da die dauernd qualmenden tuerkischen Dauerbewohner nicht waeren...

Von Girne aus besuche ich das "Bellapais" Kloster, eine riomantische gotische Ruine, das idyllische Bergdorf "Karaman", natuerlichdie venezianische Burg am Hafeneingang mit den restaurierten Resten eines griechischen Frachtseglers von 400 v.Chr. Auch eine Wanderung bis auf den 700 m hohen Kamm der Bergkette leiste ich mir.

An der Nordkueste fahre ich nach drei Tage weiter, zuerst bis Kuecuek Erenkoy, ein kleines Nest mit vielen Ferienappartments und einem freundlichen Guesthouse und am naechsten Tag wieder zurueck ueber die Berge (nur 270 Hoehenmeter) nach Salamis. Die antike Stadt ist die schoenste Ausgrabungsstaette in Zypern und hat noch grosses Potential fuer weitere Entdeckungen. Einen Tag fahre ich von dort ins benachbarte "Famagusta", die Stadt, der die vertriebenen Griechen am meistwen nachtrauern. Ein kompletter Hotelstrand mit etwa 100 Hotels wurde 1974 von tuerkischen Truppen besetzt und steht seitdem leer und verrottet...

Nach einer Woche im Norden kehre ich - problemlos - wieder in die EU zurueck. In Agia Napa ist - nur 10 km von der militaerisch bewachten Grenze - eine neue Hotelstadt entstanden. Vor allem Jugendliche aus England tummeln sich hier in den Appartments und feiern die Naechte durch. Das "Saturday Night Fever" vom Balkon meines Appartments zu beobachten, ist schon beeindruckend. Ich fahrelieber mit dem Rad zum suedoestlichen Kap Zyperns. Eine schroffe Felslandschaft bietet schoene Buchten und eine interessante Klippenwanderung. Einen Tag verbringe ich in Deryneia, der Stadt, von der aus man den besten Blick auf das verlorene Famagusta hat.

Die Rueckfahrt entlang der Suedkueste gestern verlaeuft - dank Rueckenwind - schnell und problemlos. Ich bekomme - das letzte - Zimmer im "san Remo", wo meine Reise vor gut sechs Wochen begonnen hat. Morgen um 10:30 Uhr geht mein Flugzeug zurueck nach Frankfurt.

Viele Gruesse von der erfolgreichen Zypernumrundung

Joachim Heidinger

21. Juni 2012

Lefkosia (Nikosia)

Hallo,

nach dem erholsamen Wanderungen in Pano Platres kommen nochmals zwei anstrengende Fahrten, um das Troodosgebirge zu verlassen:

Am Montag starte ich zur Fahrt nach Agros. Leider geht es zuerst 500 Hoehenmeter auf der B8 in Richtung Lemesos abwaerts so, dass die Bremsen "gluehen". Zweimal lege ich eine Pause zur Abkuehlung der Felgen ein, an denen die gesamte Enegie in Waerme umgewandelt wird. Von 700 m muss ich dann wieder auf 1200 hochschieben - anfangs mit 12% Steigung. Da wird selbst das Schieben des schweren Rades muehsam. Nach einer Mittagspause in Pelendri gehts nochmal abwaerts dann hoch zur 'Kurstadt' Agros: von dort stammt ein Teil des zyprischen Mineralwassers. Im Hotel "Vlachos" bekomme ich ein Zimmer fuer 20 Euro.

Am Dienstag gehts nun abwaerts in die Ebene von Nikosia. Zuerst aber muss der "alpine" Pass in 1270 m Hoehe ueberwunden werden. Danach rollt das Rad bei leichtem Gegenwind fast von alleine. Einer der vielen Stahldeckel der in der Strasse verlegten Telefonleitungen bringt mein Hinterrad erneut zum Luftlassen. Obwohl ich beim Fahren fast immer mit den Augen gebannt die Fahrbahn nach Schlagloechern und Dornen absuche, komme ich der tiefen Stahlrille zu nah, so dass der Reifen hineinsinkt und den Schlauch quetscht. An einem Rastplatzkiosk kann ich den letzten noch dichten Schlauch einbauen - es ist bereits der vierte...

In Lefkosia gibt es leider kein HI-Hostel mehr. Das staatliche Youth Hostel hat eine Altersgrenze von 35 Jahren festgelegt. So suche ich in der Altstadt ein Hotelzimmer. Im "Sky", das auch vom 'Lonely Planet' empfohlen wird, finde ich fuer 40 Euro pro Nacht ein schoenes Zimmer - endlich wieder mit Klimaanlage. Das ist eine Wohltat bei dem feucht-heissen Klima in der Stadt.

Zuerst besorge ich am naechsten Tag Ersatz fuer den Schlauch, dann besuche ich verschiedene Museen. Das "Cyprus Museum" fuer Archaeologie ist eher enttaeuschend, das kaum erwaehnte neue Stadtgeschichtliche Museum dagegen ein Highlight. In einer Ikonenausstellung der oertlichen Bank finde ich - endlich - eine Ikone mit den heiligen Joachim und Anna...

Heute besuche ich den tuerkisch besetzten Teil der Stadt. Es gibt eine militaerisch bewachte Zonengrenze mit Stacheldrahtrollen und Beobachtungsstaenden auf tuerkischer Seite. Die "Einreise" auf dem Fussgaengeruebergang geschieht mit einem in den Pass eingelegten Visumszettel relativ formlos. "Drueben" beeindrucken die grossen Moscheen. Eine im franzoesischen Stil gebaute gotische Kathedrale bildet die Hauptmoschee - eine unwirkliche Szenerie wie sich die schraeg zur Kirchenachse nach Mekka gerichteten Gebetsnischen in den Raum einfuegen. Ansonsten lebt die Stadt von den Tagesgaesten, die in einer langen Basarstrasse viel einkaufen und abends wieder zuruecklaufen. Hotels gibt es fast keine...

Morgen reise ich auch mit dem Rad nach Nordzypern ein: Ziel ist die Hafenstadt Girne an der schoenen Nordkueste.

Viele Gruesse aus dem tropisch warmen Lefkosia

Joachim Heidinger

17. Juni 2012

Polis und Troodos

Hallo,

derzeit befinde ich mich auf Hoehen zwischen 1200 m und 1700 m im Troodosgebirge. Aber auch hier oben herrschen Temperaturen ueber 30 Grad. Das macht die Fahrten anstrengend.

Von Paphos aus gehts zunaechst ueber den Bergruecken (ca 700m ) auf die Suedseite der Insel. Eine traumhafte Abfahrt erzeugt das Gefuehl eines Landeanflugs auf die Bucht von Polis. Danach ist allerdings das Hinterrad wieder platt.

Ich quartiere mich in einem Appartment fuer 30 Euro pro Nacht ein. Das gibt neue Moeglichkeiten der Selbstversorgung. Ansonsten gehe ich die Tage ruhig an: ein Tag am Meer, eine Wanderung auf dem "Aphrodite Trail" am westlichen Ende der Suedkueste, eine Tour an die tuerkische Grenze im Osten.

Der Weg ins Gebirge beginnt mit einem anstrengenden Tag hinauf zur Forststation in Stavras. Dort betreiben die Forstbeamten eher unwillig ein englisches "Resthouse" als Hostel fuer 14 Euro pro Nacht. Die naechste Station ist das Kloster Kykkos auf 1300 m Hoehe. Ein junger Pater erbarmt sich des einsamen Radfahrers und nimmt mich in die (kostenlose) Pilgerherberge auf, die eigentlich orthodoxen Christen vorbehalten ist. Die folgende Station Pedoulas bietet eine positive Uebernachtung im Hotel "Mountain Rose". Fuer 30 Euro gibts noch ein Abendessen mit sieben Gaengen dazu. Ansonsten glaenzt Pedoulas mit einer mittelalterlichen Kirche, deren Fresken noch wunderbar erhalten ind.

Der Weg ueber den Bergruecken zurueck auf die Suedseite fuehrt ueber den 1400 m hohen Pass nach Pano Platres. Eine Hoehenstrasse mit weitem Blick auf die im Dunst verschwimmende Kuestenebene fuehrt in das touristisch gut entwickelte Dorf. Im Hotel "Petit Palais" finde ich ein guestiges Zimmer.

Noch am gleichen Nachmittag gehts hinauf nach Troodos, den mit 1700 m hoechsten Ort in Suedzypern. Hier gibts nur ein Hotel und vier Restaurants. Heute ist Wandertag durch die Schlucht des Baches, der in Troodos entspringt. In mehreren Wasserfaellen verliert er auf seinem kurzen Weg zum Meer die Hoehe.

Viele Gruesse aus dem "gruenen Zypern"

Joachim Heidinger

8. Juni 2012

Pafos

Hallo,

die dritte Etappe meiner Zypernreise fuehrt mich nach Pafos am oestlichen Rand der griechisch-sprachigen Suedkueste. Diese Stadt bietet besonders schoene Ausgrabungsgelaende mit gut erhaltenen Mosaiken und beeindruckende Steilkuestenabschnitte.

Die 80 km von Lemesos nach Pafos plane ich, in einer Tagesetappe zu schaffen. Mit vollem Gepaeck und der Hitze um die Mittagsstunden ist das eine Herausforderung. Die ersten 20 km bis Kourion sind schnell geschafft. Dann beginnt aber der bergige Teil mit mehreren Anstiegen auf 200 m Hoehe und abenteuerlichen Abfahrten. Dabei fuehrt die Strasse quer durch ein britisches Militaerwohngelaende. Die endrucksvollste Abfahrt endet an einem Kreidekuestenabschnitt, der Aphroditefelsen genannt wird. Vereinzelt stehen Felsbloecke vor dem Strand im Meer. Die letzten 30 km sind zwar flacher - aber muehsam nach den mittaeglichen Anstrengungen. Auch das Rad ist in Mitleidenschaft gezogen: dar Hinterradreifen verliert langsam Luft.

In Pafos komme ich zuerst im Hotel Pyramos unter - leider nur fuer eine Nacht. Am zweiten Tag ziehe ich um in ein moebliertes Appartment mit eigener Kueche - keine schlechte Alternative. Beides kostet jeweils 30 Euro pro Nacht...

Am Abend der Ankunft ist grosses Stadtfest mit hunderten von Verkaufsstaenden und grosser Musikbuehne im alten Hafen. Ein eindrucksvoller Mondaufgang (Vollmond) ueber den Fischerbooten ergaenzt die Feststimmung. Zum Abschluss gibt es ein kurzes aber praechtiges Feuerwerk.

Am zweiten Tag bleibt nach dem Ortswechsel nachmittags Zeit, den "Archaeologiepark" zu besuchen. Neben den ueblichen Ausgrabungen gibt es eine Villa mit komplett erhaltenen Bodenmosaiken - sehr schoene Bilder aus der griechischen Mythologie.

Eine Totenstadt unter der Erde sind die "Tombs of the Kings". Reiche Buerger der Roemerzeit haben sich in den Stein prachtvolle Villen meisseln lassen - mit saeulenbegrenztem Atrium und Nischen fuer die Toten der Familien in den Nebenraeumen. Das Gelaende liegt an einem sanften Hang zum Meer hin - mit prachtvoller Aussicht. Diese Nekropole besichtige ich am Nachmittag - nach einer Spazierrunde durch die 150 m hoeher gelegene Altstadt von Pafos am Vormittag. Einen basaraehnlichen Markt aus ueberdachten Gassen gibt es dort - aehnlich wie in tuerkischen Staedten.

Wieder 20 km zurueck nach Westen fuehrt mich der Besuch von Kouklia am naechsten Tag. Eine weniger eindrucksvolle Ausgrabung des Aphrodite-Heiligtums und ein kleines Museum gibt es dort. Am Vormittag gelingt es mir, den undichten Hinterreifen von der Gepaeckfahrt zu reparieren.

Heute folge ich der Strasse nach Norden entlang der eindrucksvollen Ostkueste. Immer wieder unterbrechen Steilkuestenabschnitte die Badebuchten. Wenn dort ein Ausgrabungsgelaende liegt, ist die Hotelbebauung ausgeschlossen. Auch deswegen gibt es wohl so viele Ausgrabungsstaetten auf Zypern.

Viele Gruesse aus dem geschichtstraechtigen Zypern

Joachim Heidinger

3. Juni 2012

Limassol

Hallo aus Zypern,

seit dem letzten Sonntag bin ich nun weiter gefahren nach Limassol, die zweite grosse Stadt an der Suedkueste. Mit vollem Gepaeck gings zunaechst bis zum "Governor's Beach" einem Abschnitt mit Kreidefelsen und kleinen Badebuchten. Angegliedert ist ein Campingplatz, der aber vor allem von Dauercampern und kleinen Ferienhaeusern besiedelt ist. Ein rudimentaerer Zeltplatz steht Tagesgaesten zur Verfuegung. Der "Duschblock" wird gerade erst aus der Winterstarre befreit. Ein junges Paar aus Koeln startet hier auch ihre Zypernrundreise - allerdings mit Auto und Zelt.

Die naechste Etappe betraegt nur noch 30 km. Zwischenstopp ist in Amathous, der Ausgrabungsstaette eines ehemaligen Stadtkoenigtums. Vom Reichtum der Stadt zeugt noch die Infrastruktur mit verschiedenen Wassernetzen und Entsorgung. Mehr als die Gebaeudeumrisse sind aber nicht mehr erhalten.

Schon 10 km vor dem Stadtzentrum beginnt eine endlose Hotelfront mit mehr oder weniger teuren Hotelburgen. Ich suche das Guesthouse "Luxor". Es liegt direkt in der Fussgaengerzone. Allerdings ist an dem Anwesen seit 50 Jahren nichts mehr renoviert worden. Ein sehr alter Herr fuehrt das Haus - Tag und Nacht. Er ist fuer alles zustaendig. Ich bleibe allerdings der einzige Gast, nutze die zwei Tage dort fuer das Kennenlernen der Altstadt mit Burg, ehemaliger Carobmuehle, schoenem Stadtpark,... Die naechsten vier Tage buche ich im "Village Hotel" - fuer 10 Euro mehr, dafuer aber mit eigener Dusche, Klimaanlage und Hotelfruehstueck.

Vier Ausfluege mit dem Rad gelingen von hier aus. Noch am Umzugstag starte ich zur Halbinsel Akrotiri. Vorbei am neuen Hafen, einem riesigen Containerumschlagplatz, gehts quer durch die britische Zone zu einem idyllischen Salzsee. Im abgelegensten Teil gibt es ein Nonnenkloster, das bekannt ist durch seine zahlreichen Katzen, die der Schlangenbekaempfung dienen sollen. Der Rueckweg fuehrt ueber eine Piste durch den trockenen Teil des Salzsees zu einem 4 km langen unberuehrten Kiesstrand gegenueber der Stadt.

Die wirklich grossartige Ausgrabung sieht man in Kourion, 20 km westlich von Limassol. Hier findet man auf einem Bergruecken ueber der Steilkueste alles, was eine griechisch-roemische Stadt ausmacht: Ein wunderschoenes Theater mit Blick ueber das Meer, eine Villa mit gut erhaltenen Mosaiken, eine fruehchristliche Basilika, ein Stadium (griechischer Art) und ein Apollo-Heiligtum mit dekorativ wieder aufgerichteten Saeulen.

Der dritte Tag fuehrt mich in die Berge am Rande das Troodosgebirges. Hier gedeiht der zyprische Wein, durchaus gut geniessbar. Die Hoehenlage (600m - 800m) ist eher ungewohnlich, aber der sommerlichen Trockenheit in der Ebene geschuldet. Auf gut ausgebauten Strassen gehts muehsam aufwaerts, anfangs in der Naehe der Stadt mit viel Verkehr. Einsam (und steil) werden die Strassen im Weinbaubereich. Vielfach werden nur schmale Terrassen genutzt. Die Weinstoecke stehen frei und erzeugen niedrige, buschartige Reben. Geerntet wird nur von Hand.
Der Abschluss der Rueckfahrt gleicht einem Anflug auf die Ebene von Limassol: Von 400m Hoehe verlaeuft die Strasse fast gerade abwaerts mit staendig wechselnder Perspektive auf die auf Meereshoehe liegende Ebene - ein grandioser Abschluss einer anstrengenden Tour (ca 80 km und 1000 Hoehenmeter).

Heute gehts nach dem Fruehgottesdienst (8:00 Uhr) nochmals ins Hinterland. "Commandaria" heisst ein likoeraehnlicher Rotwein, der nur hier produziert werden darf. Die spaet geernteten Trauben werden noch einige Tage in der Sonne gedoerrt, bevor sie gekeltert werden. Im Weinmuseum durfte ich ein Likoerglaeschen probieren. Er erinnert an Sherry - mit exotischen Aromen (Nuss, Kaffee,...). Die Anbaubereiche sind oft nur schmale Mulden in einer Senke oder steile sehr sonnige Haenge. Die Doerfer sind eher untypisch fuer Weindoerfer - viele neue Gebaeude verdecken die alte Struktur und zeugen vom neuen Reichtum der griechischen Zyprioten.

Viele Gruesse aus dem sommerlichen Zypern.

Joachim Heidinger

27. Mai 2012

Larnaca, Zypern

Hallo liebe Reisefreunde,

eine Woche weile ich jetzt auf Zypern, der griechisch-tuerkischen Insel.
Start war - wie immer mit dem Regionalzug ab Boehl. Der Flug geht diesmal von Stuttgart (wegen des guenstigeren Preises). Fahrrad und Rucksack werden problemlos - aber als Sondergepaeck - eingecheckt. Das Rad wird provisorisch in eine Plastikfolie verhuellt.

Gegen 19:00 Uhr landet der Airbus 320 der Condor puenktlich auf dem Flughafen Larnaca. Dieser ist die internationale Drehscheibe, seit der Flughafen in Nikosia in den Pufferbereich der Grenzlinie geraten ist.

Schon mit dem Rad und dem gesamten Gepaeck gelange ich ueber die gut beleuchtete naechtliche Schnellsttrasse zum Hotel " San Remo" am westlichen Rand der Stadt. Ich hatte das Zimmer schon im Reisebuero mitgebucht.

Der erste Tag dient der Stadterkundung und den anfangs notwendigen Besorgungen: Gaskartusche fuer den Kocher, Lebensmittel,... Es gibt auch hier LIDL und Carrefour, sodass die Preise guenstig bleiben.
Die Innenstadt von Larnaca ist so verwinkelt und voller Einbahnregelungen, dass ich mich sofort verfahre. Irgendwie gelange ich aber immer wieder ans Meer und finde von dort zurueck zum Hotel.

Der zweite Tag dient einer ersten Erkundungsfahrt an der Kueste entlang nach Perivolia. Unterwegs gibts eine alte Kirche mit mittelalterlichen Mosaiken zu bestaunen. Das Meer hat die Sandstraende rings um Larnaca weitgehend abgeschwemmt, so dass oft nur ein schmaler Kiesstreifen uebrig bleibt. In der Stadt selbst gibt es aber einen gepflegten Sandstrand, der wohl auch mit Anschuettungen nachghebessert wird.

Eine erste Bergtour steht am Donnerstag auf dem Programm: 80 km durchs Hinterland mit ca 800 Hoehenmetern. Hoehepunkt ist der Besuch eines sehr alten und strengen Bergklosters (Moni Stavrovouniou) auf 688 m Hoehe. Nur Maenner mit vollstaendiger Koerperbedeckung duerfen zu Besuch eintreten. Von hier oben ueberblickt man die weite Ebene von Larnaca und die Zyprischen Gebirge im Norden und Westen.

Etwas geruhsamer gedacht ist der Freitag. Ein Dorf in der Pufferzone der UN (Pyla) steht auf dem Programm. Der an sich ruhige Dorfplatz steht unter Aufsicht eines UN Kontrollpostens. Nur 5 km weiter erreiche ich die innerzyprische Grenze. Hier wird streng kontrolliert - wie im feindlichen Ausland. An den Grenzposten schliesst eine umfangreiche britische Schutzzone an - ein Rest der ehemals komplett britischen Okkupation. Die Uferstrasse fuehrt quer durch das Militaergelaende - ist aber offen fuer den zivilen Verkehr. Heftiger Gegenwind aus Westen macht die 10 km Rueckweg aber muehsam.

Am Samstag gehts zu den steinzeitlichen Ausgrabungen in Choirokoitia. Ca 9000 v. Chr. lebten hier bereits Siedler in Rundhuetten. Die Fundamente und die Stadtmauer sind noch gut zu erkennen. Etwas abseits ist ein Teil einer solchen Siedlung rekonstruiert. Auch diese Tour umfasst 80 km durch huegeliges Gelaende. Der Wind spielt diesmal mit - morgens ist es windstill, abends schiebt der einsetzende Westwind zurueck nach Larnaca.

Eine katholische Kirche gibt es in Larnaca trotz der zahlreichen orthodoxen Grosskirchen in der Umgebung. Auch das kleinste Dorf leistet sich riesige Kirchenneubauten fuer mehrere Hundert Besucher. Die meisten sind keine 10 Jahre alt. Die frueheren historischen Kichen sind dagegen unscheinbar klein. Die sehr gepflegten Kirchhoefe sind meist willkommene Orte fuer eine schattige Mittagsrast.

In der katholischen Kirche wird heute Erstkommunion gefeiert. Pfingsten ist daher erst am naechsten Wochenende. Der Pfarrer ist aus Polen - offenbar Mitglied eines Franziskanerklosters in Larnaca. Die Messe wird auf Englisch gehalten, Teilnehmer sind neben den Eltern der Kommunionkinder vor alle malayische Christen. Die Kinder sitzen auf Stuehlen vor dem Altar an einem weiss gedeckten Tisch, die Hostie wird auch fuer sie kurz in Wein getaucht.

Am Nachmittag fahre ich nur eine kleine Runde ueber die letzten Kilometer von gestern auf der Suche nach einem verlorenen Handschuh. Tatsaechlich geschieht das Unwahrscheinliche: Unter einem Busch an der Schnellstrasse finde ich ihn im Rinnstein.

Heute Abend streife ich nochmals ueber die Palmenpromenade der Stadt. Eine Vielzahl von Verkaufstaenden lockt den Touristen das Geld aus der Tasche. Auf dem "Europaplatz" spielt ab 18:00 Uhr eine Band.

Viele Gruesse aus dem sonnigen Zypern.

Joachim Heidinger

19. März 2012

Schluss

Liebe Reisefreunde,

schon von zu Hause kommt nun der Abschlussbericht:

Die im letzten Bericht angekündigte Wanderung fällt zur Hälfte dem einsetzenden Dauerregen zum Opfer. Der Weg hinab ins urwüchsige Bachtal und an die Küste beeindruckt durch eine urwaldähnliche Vegetation. Der Pfad verläuft zur Hälfte im steilen Bachbett. Eine Dame aus Portugal (geb. Schweizerin) begleitet mich. Unten beginnt es leicht zu nieseln. Das verstärkt sich zu heftigem Dauerregen. Wir brechen die Tour im DorfRestaurant ab. Ein südafrikanisches Paar aus Knysna nimmt uns im Auto wieder mit hinauf, bringt uns sogar bis zur Wild Spirit Lodge..

Die letzte Etappe bis zum Storms River Village ist nur 40 km lang. Auf der sehr gut ausgebauten "Toll Road" gehts glatt und ohne Steigungen schnell voran. Schon mittags bin ich in der "Tsitsikamma Lodge". Dort komme ich im Schlafsaal unter - zunächst wieder allein. Am Nachmittag fahre ich noch zur Storms River Bridge. An der Tankstelle gibts einen ATM um eine Finanzreserve zu besorgen.

Am nächsten Tag besuche ich den Tsitsikamma Park, in dem wir vor 5 Wochen auf der Safari-Tour schon gecampt haben. Ich hole den versäumten "Waterfall Walk" nach. Ein abenteuerlicher Kletterweg über die Felsen der Steilküste führt zu einem idyllischen Wasserfall mit tiefbraunem Wasser. Das Wasser bleibt in einem großen Pool stehen, der zum Meer hin einen kleinen Überlauf besitzt. Der weitere Küstenweg ist dem "Otter Trail" vorbehalten. Schwerbepackte Pärchen wandern auf diesem Kultweg in 5 Tagen bis zum Nature's Valley.

Der nächste Tag führt über die alte Storms River Road mit dem Mountain Bike zum Aussichtspunkt oberhalb der Park-Zentrale. Auch hierher war ich schon vor 5 Wochen im Dauerregen gewandert. Heute zeigt sich der Blick in ganzer Schönheit.

In den nächsten Tagen schließen sich noch einige Fußwanderungen in der Umgebung vom Storms River Village an. Immer landet man in urwaldähnlichen Vegetationszonen - mit riesigen Baumfarnen oder Yellow-Wood-Bäumen. Da ich keine Lust mehr habe auf die - relativ uninteressanten - letzten 200 km bis Port Elizabeth, genieße ich die gepflegte Unterkunft. Inzwischen sind zwei interessante Gäste im Schlafsaal eingezogen, ein Psychologe aus Riedlingen und ein pensionierter Holländer aus Venlo, der ebenfalls mit dem Rad nach P.E. unterwegs ist.

Der BAZ Bus bringt mich am Samstag wieder zurück nach Cape Town. Er ist zwar teurer als der normale Linienbus. Dafür holt er mich aber direkt am Tsitsikamma Lodge ab und bringt mich zum Ashanti Green Point in Cape Town. Außerdem wird die kostenfreie Fahrradmitnahme garantiert.

Überraschend erfahre ich dort, dass morgen, am Sonntag, das große "Argus Race" stattfindet, ein Jedermann-Radrennen über 110 km auf der Kaphalbinsel. Viele Radfahrer bereiten sich schon darauf vor.
Am Sonntag beobachte ich die Starts in 200er-Gruppen (insgesamt über 32.000 Teilnehmer !) und den Zieleinlauf. Leider gibt es dort einen bösen Sturz der Männer, weiter vorne eine Massenkarambolage der schnellsten Frauen...

Bei der windlosen Hitze über Mittag bleibt mir dann nur der Rückzug in den Schlafsaal. Erst am Abend genieße ich nochmals die Stimmung an der Küsten-Promenade und an der Victoria + Alfred Waterfront.
Am Montag bringe ich mein Fahrrad zu den Bailey's. Dazu fahre ich nochmal über den wunderschönen Chapman's Drive nach Kommetije. Die Fahrt strengt weniger an als beim ersten Mal - das macht das Training der bisherigen Radtour. Ich werde wieder großzügig zum Abendessen eingeladen und sogar mit dem Auto zurück nach Cape Town gebracht. Da erspart mir die bei Dunkelheit nicht ungefährliche Fahrt mit der MetroRail.

Der Rückflug mit Lufthansa LH 577 in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch klappt völlig reibungslos. Am Mittwoch um 10:00 Uhr bin ich wieder zu Hause.