Hallo liebe Reisefreunde,
nach mener ersten Rundreise durche die Winelands bin ich nun wieder in Cape Town gelandet.
Uebermorgen faehrt der Zug nach Johannesburg, wo die dreiwoechige Safari-Tour beginnt.
Wie immer ist es spannend, wie das umfangreiche Gepaeck auf dem neuen Fahrrad verteilt werden kann. Erstmals habe ich die grossen Packtaschen fuer hinten nicht dabei, dafuer aber zwei kleine fuer die Lowridertraeger vorne. Sie werden mit Kueche und Reparaturwerkzeug bestueckt. Der Rest bleibt im Rucksack, der hinten quer auf den Gepaecktraeger verspannt ist. Der kleine Rucksack liegt - wie immer - obenauf und enthaelt jetzt den Strassenatlas und die Wasserflasche.Das funktioniert erstaunlich stabil.
Erstes Reiseziel ist das nur 25 km entfernte Muizenberg an der False Bay auf der Ostseite der Kaphalbinsel. Die M4 fuehrt durch mehrere zusammengewachsene Vororte. Das bedeutet viel Verkehr, viele Ampeln und dazu noch Gegenwind. Ich bin froh, um 13:00 Uhr im Ocean Echo Hostel angelandet zu sein. Regina hatte mich angekuendigt und mir den Weg dorthin beschrieben. Eine Ausschilderung gibt es nicht.
Muizenberg ist ein Kultort fuer Wellensurfer. Derzeit herrscht aber schon Nachsaison. Der Strand ist weigehend leer - vielleicht auch weil es zu windig ist. Ich lege den St. James Walk zum naechsten Ort direkt an der Felsenkueste zurueck. Manchmal spritzt die Gischt bis auf den Weg.
Der naechste Morgen ist sehr sonnig - es verspricht heiss zu werden. Eine 50 km Strecke liegt vor mir nach Stellenbosch - einem der bekannten Weinorte. Doch zunaechst folge ich der Kuestenlinie. Ueber mehrere Duenen geht es auf und ab. Rechts sieht man die schoene Sandkueste.
Unerwartet erscheinen links dann ausgedehnte TownShips (Khayelitsha), die alle Vorurteile von menschenunwuerdigen Unterkuenften bestaetigen. Ein kleiner Teil ist zwar mit Strassen und Elektrizitaet erschlossen. Der groesste Teil besteht nur aus fensterlosen Wellblechschachteln - ohne Wasser oder Sanitaer. Offenbar wurden einige zentrale Toilettenhaeuschen aufgestellt. Auf der anderen Seite der N2 aendert sich die Situation schlagartig. Die Weingueter protzen mit ihrem Reichtum und dokumentieren dies durch lange Baumalleen, die zu schlossartigen Haeusern fuehren. Die Erntarbeiter kommen wohl aus den oben beschriebenen Townships.
In Stellenbosch bin ich zum Zeitpunkt der groessten Mittagshitze. Zum Glueck liegt die Travellers Lodge direkt gegenueber vom Bahnhof. Ich bekomme ein Bett im Sechser Dormitory und bleibe dort allein. Allerdings ist der Raum unertraeglich heiss, da den ganzen Tag die Sonne drauf scheint....
Stellenbosch ist ein schoenes Oertchen, dem man seinen Reichtum ansieht. Noch am gleichen Nachmittasg besuche ich das Spielzeug- und Miniaturmuseum. Es ist vor allem aus Privatsammlungen hervorgegangen, einer Unmenge von Original Dinky Autos im Massstab 1:32. Auch ein deutscher Ankerbaukasten aus Rudolstadt und eine MaerklinLok aus der Vorkriegsproduktion beweisen das Gespuer fuer hochwertiges Spielzeug. Wunderschoen sind die Puppenhaeuser eingerichtet, meist Handarbeit.
Der zweite Tag ist dem Dorfmuseum gewidmet, in dem originale Haeuser aus der Gruenderzeit erhalten und mit alten Moebeln im Stil der jeweiligen Zeit ausgeruestet sind. Am Nachmittag besuche ich "Die Bergkelder", das groesste Weingut am Ort, das seinen Erfolg auf die Idee gruendet, die Weinlagerung in einen Bergkeller zu verlagern. Heute allerdings lagert der Wein in stainless steel Containern in klimsatisierten Industriehallen. In der beeindruckenden vollautomatischen Abfuellanlage werden auch fuer andere Winzer die Flaschen befuellt.
Ueber den ersten 400 m hohen Pass gehts nach Franschhoek, ein Staedtchen dessen Ursprung auf ausgewanderte Hugenotten zurueckgeht. Mit leichtem Schieben ist die Passhoehe schnell erklommen, Dann gehts zuerst rasant wieder bergab ins Tal des Berg River und flach bis an die Ortsgrenze. Etwas abseits der Hauptstrasse finde ich Unterkunft in einer Obstfarm. Im Obergeschoss kann ich zwei Tage lang die Ferienwohnung fuer mich allein nutzen. Am Nachmittag besuche ich noch das Hugenotten-Museum, in dem die Namensgeschichte der Eingewanderten aufgearbeitet wurde. Ueber deutsche Namen wie Brendel, Lambrecht, Schiffer wurde leider nicht geforscht.
Der Weg ueber den 700 m hohen Franschhoek Pass ist am heutigen Tag geplant. Es ist bewoelkt, droht zu regnen. Trocken und mit angenehmner Kuehlung gelange ich auf die Passhoehe. Bei der Abfahrt auf der Gegenseite gelange ich jedoch in einen kraeftigen Schauer, der mich trotz Regencape heftig durchnaesst. In der Sonne des Theewaterskloof Sees trocknet alles wieder schnell. Der Rueckweg - jetzt gegen den Wind - ist muehsamer als gedacht. Der Blick ueber das sonnenbeschienen Franschhoek von der Passhohe lohnt aber die Muehe.
Das naechste Ziel ist Paarl 30 km unterhalb von Franschhoek am Berg River. Schon nach 2 Stunden bin ich dort, finde fuer 250 Rand ein Zimmer in einer Privatpension - mit Fruehstueck und Klimaanlage !. Noch am gleichen Nachmittag erklimme ich das Afrikaans Language Monument auf dem Ruecken der Paarl Mountains. Von hier kann man nach beiden Seiten ungehindert di Berge geniessen, nach Westen den Tafelberg nach Osten die Passhoehe der Drakensteinberge.
Den letzten Tag in Paarl widme ich nach dem katholischen Gottesdienst dem Besuch der KWV, einer sehr grossen Weinfabrik und dem groessten Hersteller von Brandy in South Africa. Als ich zur 11:00 Uhr Fuehrung komme bin ich allein. Der Kommentator ist selbst deutschsprachig, sodass die Tour zu einer intensiven Darlegung der Unterschiede deutscher und Suedafrikanischer Weinproduktion wird. Zuletzt gibt es - wie auch in Stellenbosch - eine Weinprobe mit 5 ausgewaehlten Weinen. Hier endet die Probe natuerlich mit einem der selbst produzierten Brandys.
Am Nachmittag traue ich mich, trotz der Hitze noch auf eine kleine Exkursion zum Nachbarort Wellington. Auf der Hinfahrt komme ich wieder an TownShipSiedliungen vorbei - auf dem Rueckweg folge ich einer idyllischen Weinstrasse.
Gestern kam nun die laengste Etappe: 80 km von Paarl nach CapeTown. Die Wirtin warnt mich noch, heute sei der heisseste Tag bisher vorhergesagt. Ich folge der - wenig befahrenen - Old Paarl Roead, die parallel zur neu gebauten Autobahn erhalten blieb. Allerdings fuehrt auch sie in Kraaifontein durch ausgedehnte TownShips. Meist bewohnen die Schwarzen hier aber ordentliche Steinhaeuser, die mit Regierungshilfe schon fuer 25.000 Euro zu haben sind.
In CapeTown steuere ich mit letzter Kraft wieder das Ashanti Hostel an: Leider ausgebucht, weil ich einen Tag frueher als geplant wieder in CapeTown bin. So gehe ich auf die muehsame Suche nach einer Alternative. Im Backpackers on High Level werde ich fuendig. Der Zustand ist zwar wesentlich duerftiger als im Ashanti, dafuer belege ich aber ein Viererzimmer allein (fuer 150 Rand).
Heute nun kann ich wieder ins gepflegte Ashanti umziehen. Nach dem Aufladen des Handys im Victoria Mall nehme ich an einer interessanten Fuehrung durch das neue Cape Town Stadium teil, incl Praesidenten Suite und Gefaengniszellen. Der Nachmittag ist zwei Museen gewidmet: der South African National Art Gallery und den Jewish Museum. Moderne Kunst einheimischer Kuenstler zeigt das erste, eine beeindruckende Aufarbeitung des Holocaust bietet das andere. Auch die Rolle Suedafrikas wird nicht ausgespart. Es gab - trotz der Beteilung Suedafrkas an der AntiHitlerKoalition - bedeutande Kraefte ("Grey Shirts"), die antisemitisch eingestellt waren und sich der Aufnahme auswandernder deutscher Juden widersetzten.
Nach soviel Kultur folgt nun das Abenteuer einer gefuehrten Safari von Johannesburg zurueck nach Cape Town.
Bis dann
Joachim Heidinger
17. Januar 2012
8. Januar 2012
Cape Town
Hallo, liebe Reisefreunde,
nach fast einer Woche im sonnigen und heissen Cape Town nun mein erster Reisebericht:
Die Anreise mit Zug ab Boehl-Iggeleim zum Frankfurter Flughafen ist nun schon Standard. Das gesamte Gepaeck - incl. der Fahhradausstattung und der Camping-Ausruestung - muss in einen Rucksack verstaut werden. Der wiegt jetzt gut 20 kg.
In Frankfurt funktioniert dann alles problemlos. Der Rucksack ist schnell am Drop-Off-Schalter abgegeben. Die Board-Karte hatte ich mir schon tags zuvor im Internet ausdrucken lassen.
Das Flugzeug ist eine 747 - also sollte es ein ruhiger Flug werden. Die heftigen Stuerme ueber der Rheinebene fuehren dann doch zu einem etwas wackligen Start. Ab einer gewissen Hoehe beruhigt sich der Flug dann. 3 Stunden nach dem Start um 01:00 Uhr gibts dann noch ein warmes Abendessen.
An Schlafen ist nicht zu denken. Der Flug ist komplett ausgebucht. Neben mir sitzt eine suedafrikanische Familie aus Worcester in den Winelands. Sie laden mich prompt zu einer Uebernachtung ein, sollte ich dort vorbeikommen.
Der Morgen begruesst uns mit einer grandiosen Sicht ueber die namibische Wueste. Riesige Duenen strukturieren das roetlich schimmernde Land. Beim Anflug auf Cape Town umrunden wir einmal den Tafelberg. Puenktlich landet die grosse Maschine auf dem eher kleinstaedtischen Flughafen von Cape Town. Es gibt nicht genuegend Landungsstege, sodass alle Passagiere mit Bussen zum Terminal gefahren werden. Das erlaubt mir erstmals Fotos vom Flugzeug zu schiessen.
Es ist sommerlich warm aber windig. Das verschafft etwas Kuehlung. Die Einreisewarteschlange ist riesig, weil gleich drei Flieger um diese Zeit ankommen. Mein Rucksack dreht schon einsame Runden, als icch zum richtigen Gepaeckband finde. Am ATM hole ich schonmal 2000 Rand - dann gehts zum oeffentlichen Nahverkehr.
Sehr professionell arbeitet die neue Linie des MycitiBus. Man steigt in geschuetzten glaesernen Wartehaeuschen direkt ueber eine Schleuse in den Bus - keine Chance also fuer Taschendiebe. Am CityTerminal steige ich um zum Stadion. Von dort ist es noch ein km bis zum Ashanti Hostel.
Dieses ueberrascht mich angenehm. Schon an der Zauntuer wird ein NummernCode benoetigt, ebenso fuer den Schlafsaal. Ich hatte per Internet 5 Naechte vorgebucht. Das klappt reibungslos. Nach Zahlung der Kosten ( 5 x 13 Euro) kann ich in einen sehr sauberen Achterschlafsaal ein Bett am Fenster beziehen.
Die ersten Stunden dienen dem Einkauf von Essen und Wasser. Noch bin ja nur zu Fuss unterwegs. Im SeePoint (ca 500 m vom Hostel) gibt es alle Einkaufsmoeglichkeiten. So ist das Abendessen gesichert.
Nach langem Schlaf gilt es nun am zweiten Tag ein guenstiges Fahrrad mit Gepaecktraeger zu erstehen. Beim ersten Haendler (Cyclelab) bietet man mir zwaer ein guenstiges gebrauchts MountainBike fuer 150 Euro an - es gibt aber keine Gepaecktraeger. So fahre ich doch zum vorher recherchierten LifecycleShop in TableView (wieder mit MyCitiBus) und finde nach einigen Irrwegen tatsaechlich das kleine aber kompetente Geschaeft. Wie geplant, erhalte ich fuer 3000 Rand (= 300 Euro) ein komplettes MountainBike mit Gepaecktraeger hinten und montiertemn Lowrider vorne. Den Rueckweg zur Stadt (ca 25 km) lege ich dann schon mit den Rad zurueck - es gibt eine durchgehende Radroute.
Am naechsten Tag bin ich mit Familie Bailey verabredet. Regina ist die Schwester eines Kollegen und hat mich bei ihrem Besuch in Deutschland eingeladen. Ich werde gleich zum Mittagessen eingeladen. Anschliessend verzichtet ihr Mann Dunkan auf den geplanten Surfgang und berichtet von seinen intensiven Erfahrungen bei seinen Reisen entlang der Garden Route nach Port Elizabeth. Vielen Dank dafuer !!!. Da ich den Weg nach Kommetije mit dem MetrorailZug nach Fish Hoek und dann 10 km mit dem Rad zurueckgelegt hatte, bietet mir Regina auch noch an, mich mit dem Auto zurueck zum Bahnhof zu bringen.
Zuimindest in der Hauptverkehrszeit scheinen die Zuege sicher zu sein. Auf allen Bahnhoefen gibt es Kontroll-Personal. Im Zug faehrt eine Polzeistreife mit, zeitweise auch ein Sicherheitsdienst der Metrorail.
Tags drauf starte ich zur ersten laengeren Tour ueber die Kap-Halbinsel. Da ich in GreenPoint wohne, bietet sich die Fahrt direkt an der Westkueste weiter nach Sueden an. Es folgen zunaechst hoechst attraktive Badeorte mit wunderbaren Sandstraenden zwischen den Steilkuestenabschnitten. In Hout Bay gibt es noch einen kleinen Fischerei-Hafen. Fish+Chips kosten nur 42 Rand ! Dann kommt der Hoehepunkt der Felsenkueste - der beruehmnmte Chapman's Drive. Die Mautstrasse klettert zuerst zu Chapman's Peak auf knapp 300 m zu einem wunderbaren Aussichstspunkt. Dann folgt eine teilweise in den Fels gehauene Abfahrt. Weil die Strasse so schoen war, kehre ich auf derselben Route wieder zurueck.
Heute nun widme ich mich nach dem katholischen Gottesdienst den Schoenheiten der Stadt selbst. Ich beginne auf der Victoria&Albert Warf. Teile des bestehenden Hafens werden hier in eine Einkaufs- und RestaurantWelt umgewandelt, waehrend nebenan noch der normale Hafenbetrieb weitergeht - eine interessante Mischung. Dort erstehe ich nun noch eine NokiaHandy mit suedafrikanischer Nummer fuer 22 Euro (!). Das erleichter Voranmeldungen bei den Hosdtels auf meiner Reise.
Die Menschen, die mir begegnen sind zum grossen Teil ueberschwaenglich hilfsbereit. Beim Einkaufen im Supermarkt kann ich mein Fahrrad direkt unter den Augen der SecurityMenschen abstellen. Wenn ich nach dem Weg frage erhalte ich willkommene Antwort.
Traurig dagehen sind die Gestalten, die am Rande der TownShips auf den Ausfallstrassen sitzen oder lagern. Diese Strassen sind wie eine magische Grenze, die nicht ueberschritten wird. Entsprechend sind die Villengebiete der Weissen abgeschirmt - oft mit zusaetzlichen Elektrozaunaufsaetzen gesichert.
Hier in GreenPoint, wo das Hostel liegt, fahren zusaetzlich nachts Polizeistreifen. Der Gegensatz zwischen den Einkaufstempeln in europaeischen Ausmass und dem Leben in den TownShips koennte kaum groesser sein. Etwas assimilierter erscheinen mit die CouloredPeaple, entweder mit indischer Abstammung oder aus Mischehen entstandene Kinder. In Acht nehmen muss ich mich vor allem wieder vor den Kindern und Jugendlichen - wie in Marokko. Sie strahlen die groesste Aggressivitaet aus.
Viele Gruesse aus CapeTown
Joachim
nach fast einer Woche im sonnigen und heissen Cape Town nun mein erster Reisebericht:
Die Anreise mit Zug ab Boehl-Iggeleim zum Frankfurter Flughafen ist nun schon Standard. Das gesamte Gepaeck - incl. der Fahhradausstattung und der Camping-Ausruestung - muss in einen Rucksack verstaut werden. Der wiegt jetzt gut 20 kg.
In Frankfurt funktioniert dann alles problemlos. Der Rucksack ist schnell am Drop-Off-Schalter abgegeben. Die Board-Karte hatte ich mir schon tags zuvor im Internet ausdrucken lassen.
Das Flugzeug ist eine 747 - also sollte es ein ruhiger Flug werden. Die heftigen Stuerme ueber der Rheinebene fuehren dann doch zu einem etwas wackligen Start. Ab einer gewissen Hoehe beruhigt sich der Flug dann. 3 Stunden nach dem Start um 01:00 Uhr gibts dann noch ein warmes Abendessen.
An Schlafen ist nicht zu denken. Der Flug ist komplett ausgebucht. Neben mir sitzt eine suedafrikanische Familie aus Worcester in den Winelands. Sie laden mich prompt zu einer Uebernachtung ein, sollte ich dort vorbeikommen.
Der Morgen begruesst uns mit einer grandiosen Sicht ueber die namibische Wueste. Riesige Duenen strukturieren das roetlich schimmernde Land. Beim Anflug auf Cape Town umrunden wir einmal den Tafelberg. Puenktlich landet die grosse Maschine auf dem eher kleinstaedtischen Flughafen von Cape Town. Es gibt nicht genuegend Landungsstege, sodass alle Passagiere mit Bussen zum Terminal gefahren werden. Das erlaubt mir erstmals Fotos vom Flugzeug zu schiessen.
Es ist sommerlich warm aber windig. Das verschafft etwas Kuehlung. Die Einreisewarteschlange ist riesig, weil gleich drei Flieger um diese Zeit ankommen. Mein Rucksack dreht schon einsame Runden, als icch zum richtigen Gepaeckband finde. Am ATM hole ich schonmal 2000 Rand - dann gehts zum oeffentlichen Nahverkehr.
Sehr professionell arbeitet die neue Linie des MycitiBus. Man steigt in geschuetzten glaesernen Wartehaeuschen direkt ueber eine Schleuse in den Bus - keine Chance also fuer Taschendiebe. Am CityTerminal steige ich um zum Stadion. Von dort ist es noch ein km bis zum Ashanti Hostel.
Dieses ueberrascht mich angenehm. Schon an der Zauntuer wird ein NummernCode benoetigt, ebenso fuer den Schlafsaal. Ich hatte per Internet 5 Naechte vorgebucht. Das klappt reibungslos. Nach Zahlung der Kosten ( 5 x 13 Euro) kann ich in einen sehr sauberen Achterschlafsaal ein Bett am Fenster beziehen.
Die ersten Stunden dienen dem Einkauf von Essen und Wasser. Noch bin ja nur zu Fuss unterwegs. Im SeePoint (ca 500 m vom Hostel) gibt es alle Einkaufsmoeglichkeiten. So ist das Abendessen gesichert.
Nach langem Schlaf gilt es nun am zweiten Tag ein guenstiges Fahrrad mit Gepaecktraeger zu erstehen. Beim ersten Haendler (Cyclelab) bietet man mir zwaer ein guenstiges gebrauchts MountainBike fuer 150 Euro an - es gibt aber keine Gepaecktraeger. So fahre ich doch zum vorher recherchierten LifecycleShop in TableView (wieder mit MyCitiBus) und finde nach einigen Irrwegen tatsaechlich das kleine aber kompetente Geschaeft. Wie geplant, erhalte ich fuer 3000 Rand (= 300 Euro) ein komplettes MountainBike mit Gepaecktraeger hinten und montiertemn Lowrider vorne. Den Rueckweg zur Stadt (ca 25 km) lege ich dann schon mit den Rad zurueck - es gibt eine durchgehende Radroute.
Am naechsten Tag bin ich mit Familie Bailey verabredet. Regina ist die Schwester eines Kollegen und hat mich bei ihrem Besuch in Deutschland eingeladen. Ich werde gleich zum Mittagessen eingeladen. Anschliessend verzichtet ihr Mann Dunkan auf den geplanten Surfgang und berichtet von seinen intensiven Erfahrungen bei seinen Reisen entlang der Garden Route nach Port Elizabeth. Vielen Dank dafuer !!!. Da ich den Weg nach Kommetije mit dem MetrorailZug nach Fish Hoek und dann 10 km mit dem Rad zurueckgelegt hatte, bietet mir Regina auch noch an, mich mit dem Auto zurueck zum Bahnhof zu bringen.
Zuimindest in der Hauptverkehrszeit scheinen die Zuege sicher zu sein. Auf allen Bahnhoefen gibt es Kontroll-Personal. Im Zug faehrt eine Polzeistreife mit, zeitweise auch ein Sicherheitsdienst der Metrorail.
Tags drauf starte ich zur ersten laengeren Tour ueber die Kap-Halbinsel. Da ich in GreenPoint wohne, bietet sich die Fahrt direkt an der Westkueste weiter nach Sueden an. Es folgen zunaechst hoechst attraktive Badeorte mit wunderbaren Sandstraenden zwischen den Steilkuestenabschnitten. In Hout Bay gibt es noch einen kleinen Fischerei-Hafen. Fish+Chips kosten nur 42 Rand ! Dann kommt der Hoehepunkt der Felsenkueste - der beruehmnmte Chapman's Drive. Die Mautstrasse klettert zuerst zu Chapman's Peak auf knapp 300 m zu einem wunderbaren Aussichstspunkt. Dann folgt eine teilweise in den Fels gehauene Abfahrt. Weil die Strasse so schoen war, kehre ich auf derselben Route wieder zurueck.
Heute nun widme ich mich nach dem katholischen Gottesdienst den Schoenheiten der Stadt selbst. Ich beginne auf der Victoria&Albert Warf. Teile des bestehenden Hafens werden hier in eine Einkaufs- und RestaurantWelt umgewandelt, waehrend nebenan noch der normale Hafenbetrieb weitergeht - eine interessante Mischung. Dort erstehe ich nun noch eine NokiaHandy mit suedafrikanischer Nummer fuer 22 Euro (!). Das erleichter Voranmeldungen bei den Hosdtels auf meiner Reise.
Die Menschen, die mir begegnen sind zum grossen Teil ueberschwaenglich hilfsbereit. Beim Einkaufen im Supermarkt kann ich mein Fahrrad direkt unter den Augen der SecurityMenschen abstellen. Wenn ich nach dem Weg frage erhalte ich willkommene Antwort.
Traurig dagehen sind die Gestalten, die am Rande der TownShips auf den Ausfallstrassen sitzen oder lagern. Diese Strassen sind wie eine magische Grenze, die nicht ueberschritten wird. Entsprechend sind die Villengebiete der Weissen abgeschirmt - oft mit zusaetzlichen Elektrozaunaufsaetzen gesichert.
Hier in GreenPoint, wo das Hostel liegt, fahren zusaetzlich nachts Polizeistreifen. Der Gegensatz zwischen den Einkaufstempeln in europaeischen Ausmass und dem Leben in den TownShips koennte kaum groesser sein. Etwas assimilierter erscheinen mit die CouloredPeaple, entweder mit indischer Abstammung oder aus Mischehen entstandene Kinder. In Acht nehmen muss ich mich vor allem wieder vor den Kindern und Jugendlichen - wie in Marokko. Sie strahlen die groesste Aggressivitaet aus.
Viele Gruesse aus CapeTown
Joachim
27. September 2011
Berlin
Hallo liebe Reisefreunde,
heute bin ich in Berlin eingelaufen !!! Ich komme gerade aus der Berliner Philharmonie. Es gab das Oratorium "Judas Maccabäus" von G.F. Händel. Eine Aufführung mit historischen Instrumenten und einem ausgezeichneten Chor.
Zunächst aber die Reiseerlebnisse bis hierher.
Nachdem ich in Klaipeda die Schiffspassage nach Sassnitz gebucht habe, bleiben fast zwei Tage Zeit, die relativ große Stadt kennen zu lernen.
Sie ist stark geprägt von den riesigen Hafenanlagen. Von der Altstadt ist eigentlich nur eine Straße vollständig restauriert - vor allem barocke Bürgerhäuser. Das Highlight liegt auf der anderen Seite des Haffs: die kurische Nehrung. Ein durchgehender Sandstrand über fast 100 km - davon 50 km in litauischer Zugehörigkeit. Fast 20 km radle ich direkt im festen Sand - die Brandung im Blick. Zurück gehts über die durchgehende Straße nach Kaliningrad. Vor allem abends rasen russische Fahrzeuge der Oberklasse wieder in Richtung russischer Enklave.
Der Abreisetag macht es mir leicht, Litauen zu verlassen: es ist bedeckt, regnet schließlich beim Einchecken. Das besondere der Fähre sind die 9 langen Gleise, auf denen russische Güterwagen nach Mukran (Rügen) trajektiert werden. Interessant sind die Rangiermanöver beim Be- und Entladen des Schiffes.
Als wir schließlich pünktlich ablegen, wird uns mitgeteilt, dass das Schiff wegen des Wetters (Gegenwind) mit 4 Stunden Verspätung ankommen wird. Das bringt meinen Plan, noch am gleichen Tag bis Stralsund zu fahren, ins Wanken. Immerhin ist in Sassnitz schönes Wetter, als wir anlegen. Aber der Gegenwind trifft auch mich auf der gesamten Route über Bergen und Altefähr. Als ich schließlich im geplanten Hostel am Hafen ankomme ist es bereits dunkel. Ich werde überrascht von der Meldung "Ausgebucht". Etwas zu insistieren, hilft aber auch hier. In einen Fünferzimmer im Keller kann ich das zweite Bett belegen - drei bleiben sogar frei...
Auch in Stralsund gönne ich mir einen Besichtigungstag. Vor allem die riesigen gotischen Backsteinkirchen prägen das Stadtbild. Am Hafen liegt die Vorgängerin der "Gorch Fock". Die Altstast ist umgeben von Parks und Wasserflächen.
Der erste lange Reisetag nach Neubrandenburg geht über 100 km. Vor allem die schöne Altstadt von Greifswald überrascht mich unterwegs. In Neubrandenburg gibt es eine geschlossene Stadtmauer - von der Altstadt darin ist aber vieles durch DDR-Beton ersetzt worden.
Der nächste Tag führt bis Zehderick. Ab Neustrelitz über Fürstenberg folge ich der Havel. Ihr Lauf besteht eigentlich aus einer Kette zusammenhängender Seen, die von Freizeitschiffern bevölkert sind. Das Gefälle bis Berlin beträgt kaum 10 m und wird mit Schleusen überbrückt.
In Zehderick finde ich ein Privatzimmer für 15 Euro im ausgebauten Keller eines Privathauses. Leider ist die Außenwand des Kellerraumes total sporig. Das schlägt sich über Nacht auf meine Bronchien - es erzeugt leichtes Halsweh. Ich hoffe, das legt sich bei dem warmen Wetter der nächsten Tage.
Heute macht die Sonne zunächst Pause. Es regnet, als ich in die Außenbezirke von Berlin fahre. Dennoch kann ich die Mittagspause auf dem Alexanderplatz halten. Von hier sind es noch 5 km bis Charlottenburg zum geplanten Hostel am Spandauer Damm. Ich komme in einem Viererzimmer für 15 Euro unter.
Die erste Stadterkundung führt ins Kulturkaufhaus "Dussmann". Dort erfahre ich auch das abendliche Konzertprogramm. Die Gelegenheit ist günstig, gleich heute die Berliner Philharmonie von innen kennen zu lernen.
Viele Grüße aus Berlin
Joachim Heidinger
heute bin ich in Berlin eingelaufen !!! Ich komme gerade aus der Berliner Philharmonie. Es gab das Oratorium "Judas Maccabäus" von G.F. Händel. Eine Aufführung mit historischen Instrumenten und einem ausgezeichneten Chor.
Zunächst aber die Reiseerlebnisse bis hierher.
Nachdem ich in Klaipeda die Schiffspassage nach Sassnitz gebucht habe, bleiben fast zwei Tage Zeit, die relativ große Stadt kennen zu lernen.
Sie ist stark geprägt von den riesigen Hafenanlagen. Von der Altstadt ist eigentlich nur eine Straße vollständig restauriert - vor allem barocke Bürgerhäuser. Das Highlight liegt auf der anderen Seite des Haffs: die kurische Nehrung. Ein durchgehender Sandstrand über fast 100 km - davon 50 km in litauischer Zugehörigkeit. Fast 20 km radle ich direkt im festen Sand - die Brandung im Blick. Zurück gehts über die durchgehende Straße nach Kaliningrad. Vor allem abends rasen russische Fahrzeuge der Oberklasse wieder in Richtung russischer Enklave.
Der Abreisetag macht es mir leicht, Litauen zu verlassen: es ist bedeckt, regnet schließlich beim Einchecken. Das besondere der Fähre sind die 9 langen Gleise, auf denen russische Güterwagen nach Mukran (Rügen) trajektiert werden. Interessant sind die Rangiermanöver beim Be- und Entladen des Schiffes.
Als wir schließlich pünktlich ablegen, wird uns mitgeteilt, dass das Schiff wegen des Wetters (Gegenwind) mit 4 Stunden Verspätung ankommen wird. Das bringt meinen Plan, noch am gleichen Tag bis Stralsund zu fahren, ins Wanken. Immerhin ist in Sassnitz schönes Wetter, als wir anlegen. Aber der Gegenwind trifft auch mich auf der gesamten Route über Bergen und Altefähr. Als ich schließlich im geplanten Hostel am Hafen ankomme ist es bereits dunkel. Ich werde überrascht von der Meldung "Ausgebucht". Etwas zu insistieren, hilft aber auch hier. In einen Fünferzimmer im Keller kann ich das zweite Bett belegen - drei bleiben sogar frei...
Auch in Stralsund gönne ich mir einen Besichtigungstag. Vor allem die riesigen gotischen Backsteinkirchen prägen das Stadtbild. Am Hafen liegt die Vorgängerin der "Gorch Fock". Die Altstast ist umgeben von Parks und Wasserflächen.
Der erste lange Reisetag nach Neubrandenburg geht über 100 km. Vor allem die schöne Altstadt von Greifswald überrascht mich unterwegs. In Neubrandenburg gibt es eine geschlossene Stadtmauer - von der Altstadt darin ist aber vieles durch DDR-Beton ersetzt worden.
Der nächste Tag führt bis Zehderick. Ab Neustrelitz über Fürstenberg folge ich der Havel. Ihr Lauf besteht eigentlich aus einer Kette zusammenhängender Seen, die von Freizeitschiffern bevölkert sind. Das Gefälle bis Berlin beträgt kaum 10 m und wird mit Schleusen überbrückt.
In Zehderick finde ich ein Privatzimmer für 15 Euro im ausgebauten Keller eines Privathauses. Leider ist die Außenwand des Kellerraumes total sporig. Das schlägt sich über Nacht auf meine Bronchien - es erzeugt leichtes Halsweh. Ich hoffe, das legt sich bei dem warmen Wetter der nächsten Tage.
Heute macht die Sonne zunächst Pause. Es regnet, als ich in die Außenbezirke von Berlin fahre. Dennoch kann ich die Mittagspause auf dem Alexanderplatz halten. Von hier sind es noch 5 km bis Charlottenburg zum geplanten Hostel am Spandauer Damm. Ich komme in einem Viererzimmer für 15 Euro unter.
Die erste Stadterkundung führt ins Kulturkaufhaus "Dussmann". Dort erfahre ich auch das abendliche Konzertprogramm. Die Gelegenheit ist günstig, gleich heute die Berliner Philharmonie von innen kennen zu lernen.
Viele Grüße aus Berlin
Joachim Heidinger
20. September 2011
Klaipeda
Hallo liebe Leser,
Zwei Tage in Riga sind kulturelle Highlights. Nach der verregneten Ankunft klart es abends auf. Ich frage im Hostel nach dem Opernprogramm - das Internet weiss alles... Heute gibts ein Ballet (schon wieder..) nach der Musik von Franz Liszt, morgen den "Barbier von Sevilla", Oper von Rossini.
Gleich heute starte ich also noch zum Opernhaus (nur 10 min Fussweg) und erhalte fuer 2.50 Euro eine Stehplatzkarte - die preiswerteste Sitzkarte kostet auch nur 4 Euro. Tatsaechlich sind aber so viele Plaetze frei, dass ich auch nicht stehen muss. Die Auffuehrung begeistert nicht ganz so wie die in Tallinn - dennoch aber solide mit hervorragenden Musikern.
Den Zweiten Tag nutze ich, die linke Flussseite von Riga kennen zu lernen. Die Sanierungsarbeiten sind noch nicht bis hierher vorgedrungen - ein Strassenbild wie in den fuenfziger Jahren. Ausnahme ist eine Insel zwischen Fluss und Hafenkanal: Dort enstehen neue Buerohaeuser mit attraktivem Blick auf die Skyline von Riga.
Der Opernabend ist einzigartig: Die Handlung wird in die Zeit der franzoesischen Revolution verlegt, Figaro ist ein Faktotum zwischen Anfuehrer einer verwahrlosten Jakobinergruppe und Gewinner beim Einschmeicheln bei den Adligen. Er singt und spielt alle an die Wand...
Der Sonntag ist nun Abreisetag nach Liepaja. Der einzige Zug faehrt erst 18:30 Uhr und ist kurz vor 22:00 Uhr am Ziel. So habe ich noch einen ruhigen Sonntag mit Gotesdienstbesuch und Kunstmuseum.
Die Abfahrt verzoegert sich um 25 Minuten - weil der Zug schon einen Vorlauf hat. Einsteigen ist wie immer abenteuerlich: etwa 1 Meter hoch muss ich Gepaeck und Fahrrad ueber eine leiteraehnliche Wagentreppe stemmen. Der Zug rattert ueber eine schlecht gewartete Nebenstrecke - die einzige aber, die noch an die suedliche Ostseekueste fuehrt. Trotz spaeter Ankunft finde ich dank der Karte im "Lonely Planet" das versteckt liegende Hostel. Fuer nur etwa 9 Euro gibts ein Bett im Viererzimmer. Das Hostel ist weitgehend leer. Eigentlich stellt man sich hier schon auf die Wintersaison ein.
Der naechste Tag ist nochmals ein Radreisetag. 100 km gehts an der Kuestenstrasse entlang nach Klaipeda. Der Himmel zeigt vielversprechend zunaechst nur leichte Bewoelkung, die aber im Laufe des Tages zunimmt. Am Ziel regnet es leicht aber dauerhaft.
Unterwegs besuche ich fuer eine kurze Pause das Seebad Palanga 30 km vor Klaipeda. Mit EU-Mitteln ist ein nagelneuer Flughafen entstanden. Bisher kann man aber nur nach Riga, Oslo oder Kopenhagen fliegen.
In Klaipeda finde ich das direkt gegenueber vom Busbahnhof liegende Hostel. Nur zwei Zimmer mit je 12 Bwetten gibts und eine (!) Dusche. Ich bin aber froh fuer die naechsten Tage preiswert unter zu kommen.
Um nun ein Ticket fuer die Faehre zu buchen, versuche ich mein Glueck beim Faehrhafen. Dieser ist weit ausserhalb der Stadt nur ueber eine abenteuerliche Nebenstrasse erreichbar, mindestens 10 km Fahrt. Als ich dort bin, ist das DFDS Lisco Buero schon geschlossen. Ich solle morgen in ein Buchungsbuero in der Altstadt gehen...
Heute nun bekomme ich problemlos die gewuenschte Buchung fuer den 22.09. Ich buche Schlafsessel mit Fruehstucksbuffet und Fahrrad-Ticket fuer 58 Euro.
Dann gehts auf die kurische Nehrung. Die Sonne scheint strahlend. Es gibt nur leichen Westwind - ideales Wetter also fuer die Radtour. Eine Faehre bringt mich auf die Halbinsel - tatsaechlich fliesst also die Memel erst in Klaipeda ins Meer. Auf der Nehrung ist ein verzweigtes Radwegenetz entstanden, meist sogar asphaltiert. Leider verlaeuft der Weg aber durchweg hinter der Duene. Deshalb goenne ich mir die etwas anstrengendere Fahrt direkt im Sand. Fast durchweg ist er so hart, dass das Rad nicht einsinkt. Unterwegs treffe ich mehrere Bernsteinsammler. Es gibt immer noch etwas zu finden...
Der Rueckweg ist dann einfacher auf der durchgehenden Strasse an der oestlichen Seite zum Haff. Immer wieder oeffnen sich Blicke auf die riesigen Hafenanlagen von Klaipeda. Auf der hoehen Duene sitzend geniesse ich zum Abschluss die sinkende Sonne ueber der Ostsee. Schade, dass ich nicht bis zum Sonnenuntergang hier sitzen bleiben kann.
Viele Gruesse aus Klaipeda
Joachim Heidinger
Zwei Tage in Riga sind kulturelle Highlights. Nach der verregneten Ankunft klart es abends auf. Ich frage im Hostel nach dem Opernprogramm - das Internet weiss alles... Heute gibts ein Ballet (schon wieder..) nach der Musik von Franz Liszt, morgen den "Barbier von Sevilla", Oper von Rossini.
Gleich heute starte ich also noch zum Opernhaus (nur 10 min Fussweg) und erhalte fuer 2.50 Euro eine Stehplatzkarte - die preiswerteste Sitzkarte kostet auch nur 4 Euro. Tatsaechlich sind aber so viele Plaetze frei, dass ich auch nicht stehen muss. Die Auffuehrung begeistert nicht ganz so wie die in Tallinn - dennoch aber solide mit hervorragenden Musikern.
Den Zweiten Tag nutze ich, die linke Flussseite von Riga kennen zu lernen. Die Sanierungsarbeiten sind noch nicht bis hierher vorgedrungen - ein Strassenbild wie in den fuenfziger Jahren. Ausnahme ist eine Insel zwischen Fluss und Hafenkanal: Dort enstehen neue Buerohaeuser mit attraktivem Blick auf die Skyline von Riga.
Der Opernabend ist einzigartig: Die Handlung wird in die Zeit der franzoesischen Revolution verlegt, Figaro ist ein Faktotum zwischen Anfuehrer einer verwahrlosten Jakobinergruppe und Gewinner beim Einschmeicheln bei den Adligen. Er singt und spielt alle an die Wand...
Der Sonntag ist nun Abreisetag nach Liepaja. Der einzige Zug faehrt erst 18:30 Uhr und ist kurz vor 22:00 Uhr am Ziel. So habe ich noch einen ruhigen Sonntag mit Gotesdienstbesuch und Kunstmuseum.
Die Abfahrt verzoegert sich um 25 Minuten - weil der Zug schon einen Vorlauf hat. Einsteigen ist wie immer abenteuerlich: etwa 1 Meter hoch muss ich Gepaeck und Fahrrad ueber eine leiteraehnliche Wagentreppe stemmen. Der Zug rattert ueber eine schlecht gewartete Nebenstrecke - die einzige aber, die noch an die suedliche Ostseekueste fuehrt. Trotz spaeter Ankunft finde ich dank der Karte im "Lonely Planet" das versteckt liegende Hostel. Fuer nur etwa 9 Euro gibts ein Bett im Viererzimmer. Das Hostel ist weitgehend leer. Eigentlich stellt man sich hier schon auf die Wintersaison ein.
Der naechste Tag ist nochmals ein Radreisetag. 100 km gehts an der Kuestenstrasse entlang nach Klaipeda. Der Himmel zeigt vielversprechend zunaechst nur leichte Bewoelkung, die aber im Laufe des Tages zunimmt. Am Ziel regnet es leicht aber dauerhaft.
Unterwegs besuche ich fuer eine kurze Pause das Seebad Palanga 30 km vor Klaipeda. Mit EU-Mitteln ist ein nagelneuer Flughafen entstanden. Bisher kann man aber nur nach Riga, Oslo oder Kopenhagen fliegen.
In Klaipeda finde ich das direkt gegenueber vom Busbahnhof liegende Hostel. Nur zwei Zimmer mit je 12 Bwetten gibts und eine (!) Dusche. Ich bin aber froh fuer die naechsten Tage preiswert unter zu kommen.
Um nun ein Ticket fuer die Faehre zu buchen, versuche ich mein Glueck beim Faehrhafen. Dieser ist weit ausserhalb der Stadt nur ueber eine abenteuerliche Nebenstrasse erreichbar, mindestens 10 km Fahrt. Als ich dort bin, ist das DFDS Lisco Buero schon geschlossen. Ich solle morgen in ein Buchungsbuero in der Altstadt gehen...
Heute nun bekomme ich problemlos die gewuenschte Buchung fuer den 22.09. Ich buche Schlafsessel mit Fruehstucksbuffet und Fahrrad-Ticket fuer 58 Euro.
Dann gehts auf die kurische Nehrung. Die Sonne scheint strahlend. Es gibt nur leichen Westwind - ideales Wetter also fuer die Radtour. Eine Faehre bringt mich auf die Halbinsel - tatsaechlich fliesst also die Memel erst in Klaipeda ins Meer. Auf der Nehrung ist ein verzweigtes Radwegenetz entstanden, meist sogar asphaltiert. Leider verlaeuft der Weg aber durchweg hinter der Duene. Deshalb goenne ich mir die etwas anstrengendere Fahrt direkt im Sand. Fast durchweg ist er so hart, dass das Rad nicht einsinkt. Unterwegs treffe ich mehrere Bernsteinsammler. Es gibt immer noch etwas zu finden...
Der Rueckweg ist dann einfacher auf der durchgehenden Strasse an der oestlichen Seite zum Haff. Immer wieder oeffnen sich Blicke auf die riesigen Hafenanlagen von Klaipeda. Auf der hoehen Duene sitzend geniesse ich zum Abschluss die sinkende Sonne ueber der Ostsee. Schade, dass ich nicht bis zum Sonnenuntergang hier sitzen bleiben kann.
Viele Gruesse aus Klaipeda
Joachim Heidinger
16. September 2011
Rueckreise
Hallo liebe Reisefreunde,
zwei Tage goenne ich mir auch in Tallinn. Die Stadt brummt touristisch. Das mag an der Naehe zu Helsinki liegen oder am Matrathonlauf oder an der Auswahl als Kulturhauptstadt. Jeden Abend gibt es mehrere kulturelle Veranstaltungen. Am ersten Abend lande ich im Opernhaus: Nach der Musik von Sir Malcolm Arnold gibt es ein Ballett "Die drei Musketiere" - sehr englische Musik und perfekte Choreographie. Am zweiten Abend bin ich in der Karlskirche bei Verdis "Missa da Requiem" - ein absolutes Highlight musikalisch und in Bezug auf die Auffuehrung.
Ja die Stadt begeistert natuerlich auch. Nach dem regnerischen Start sind die naechsten beiden Tage gut bis sehr gut. Am Sonntag strahlt (zum letzten Mal) die baltische Sonne. Von der Oberstadt habe ich perfekte Ausblicke in die Altstadt und die Region. Der zweite Tag beginnt bewoelkt, klart dann aber auf. Schloss Kadriorg ist zunaechst das Ziel, ein Barockschloss, das an Ludwigsburg erinnert, dann der botanische Garten am Fluss Pirita - noch sehr urspruenglich, obwohl kaum 5 km von der Stadtgrenze entfernt.
Auf dem Rueckweg erfahre ich, dass am Sonntag die "St. Peter Line" fuer 49 Euro (Kabine !) nach St. Petersburg und zurueck gefahren ist und, dass es fuer solche Zwecke ein Drei-Tage-Visum fuer 20 Euro gibt - leider eine verpasste Chance...
Der dritte Tag sollte eigentlich der Abreisetag sein. Dauerregen bewegt mich, auch hier noch einen Tag dranzuhaengen. Das KuMu, das grosse Kunstmuseum (Das Gebaeude ist schon ein Hit) besuche ich. Es gibt estonische und russische Malerei aus der Vor- und Nach-Stalinzeit. Dazwischen tricksen sich estonische Maler so durch...
Auch der naechste Tag ueberzeugt mich nicht, weiter Rad zu fahren. So verfolge ich meinen urspruenglichen Plan und fahre mit der Bahn in die Universitaetsstadt Tartu. Das Fahrrad kann ich voll beladen in den Zug schieben. Tartu hat einen vorbildlich restaurierten Rathausplatz mit geschlossen klassizistischer Gebaeudefront und einen eigenen Universitaetsberg. Auf diesem steht noch die Ruine des Domes, der vor 200 Jahren abgebrannt und nicht wieder aufgebaut wurde. Drum herum siedeln sich die verschiedenen Fakultaeten an. Vor allen Anatomie und Embriologie wurde hier bereits im 18. Jhdt. entwickelt.
Am zweiten Tag in Tartu versuche ich auf einer 40 km-Exkursion nochmals das Fahrrad zu bewegen. Ein bissiger Westwind macht das Radfahren in dieser Richtung zur Qual - und in dieser Richtung gehts 300 km nach Riga.
Heute Morgen herrscht auch in Tartu Dauerregen. Also nutze ich die einzige Zugverbindung nach Riga: mit dem Bummelzug in die Grenzstadt Valka, dort umsteigen in den naechsten Bummelzug nach Riga. Insgesamt ist man 4 1/2 Stunden unterwegs. Dafuer ist es trocken und das Fahrrad kann mit Gepaeck mitgenomen werden.
Hier komme ich wieder im gleichen Hostel wie vor zwei Wochen unter. Inzwischen hat auch hier die Oper ihr Programm gestartet.
In zwei Tagen gehts weiter - wahrscheinlich mit dem Zug nach Liepaja. Von dort sind es dann nur noch 90 km nach Klaipeda, wo die Faehre nach Sassnitz abfaehrt. Aus der urspruenglich geplanten Kuestentour entlang der lettischen Kueste wird wohl nichts mehr. "Es ist Herbst und da regnet es in Lettland", ist der Kommentar der Hostelbetreiberin.
Viele Guesse also nochmals aus Riga
Joachim Heidinger
zwei Tage goenne ich mir auch in Tallinn. Die Stadt brummt touristisch. Das mag an der Naehe zu Helsinki liegen oder am Matrathonlauf oder an der Auswahl als Kulturhauptstadt. Jeden Abend gibt es mehrere kulturelle Veranstaltungen. Am ersten Abend lande ich im Opernhaus: Nach der Musik von Sir Malcolm Arnold gibt es ein Ballett "Die drei Musketiere" - sehr englische Musik und perfekte Choreographie. Am zweiten Abend bin ich in der Karlskirche bei Verdis "Missa da Requiem" - ein absolutes Highlight musikalisch und in Bezug auf die Auffuehrung.
Ja die Stadt begeistert natuerlich auch. Nach dem regnerischen Start sind die naechsten beiden Tage gut bis sehr gut. Am Sonntag strahlt (zum letzten Mal) die baltische Sonne. Von der Oberstadt habe ich perfekte Ausblicke in die Altstadt und die Region. Der zweite Tag beginnt bewoelkt, klart dann aber auf. Schloss Kadriorg ist zunaechst das Ziel, ein Barockschloss, das an Ludwigsburg erinnert, dann der botanische Garten am Fluss Pirita - noch sehr urspruenglich, obwohl kaum 5 km von der Stadtgrenze entfernt.
Auf dem Rueckweg erfahre ich, dass am Sonntag die "St. Peter Line" fuer 49 Euro (Kabine !) nach St. Petersburg und zurueck gefahren ist und, dass es fuer solche Zwecke ein Drei-Tage-Visum fuer 20 Euro gibt - leider eine verpasste Chance...
Der dritte Tag sollte eigentlich der Abreisetag sein. Dauerregen bewegt mich, auch hier noch einen Tag dranzuhaengen. Das KuMu, das grosse Kunstmuseum (Das Gebaeude ist schon ein Hit) besuche ich. Es gibt estonische und russische Malerei aus der Vor- und Nach-Stalinzeit. Dazwischen tricksen sich estonische Maler so durch...
Auch der naechste Tag ueberzeugt mich nicht, weiter Rad zu fahren. So verfolge ich meinen urspruenglichen Plan und fahre mit der Bahn in die Universitaetsstadt Tartu. Das Fahrrad kann ich voll beladen in den Zug schieben. Tartu hat einen vorbildlich restaurierten Rathausplatz mit geschlossen klassizistischer Gebaeudefront und einen eigenen Universitaetsberg. Auf diesem steht noch die Ruine des Domes, der vor 200 Jahren abgebrannt und nicht wieder aufgebaut wurde. Drum herum siedeln sich die verschiedenen Fakultaeten an. Vor allen Anatomie und Embriologie wurde hier bereits im 18. Jhdt. entwickelt.
Am zweiten Tag in Tartu versuche ich auf einer 40 km-Exkursion nochmals das Fahrrad zu bewegen. Ein bissiger Westwind macht das Radfahren in dieser Richtung zur Qual - und in dieser Richtung gehts 300 km nach Riga.
Heute Morgen herrscht auch in Tartu Dauerregen. Also nutze ich die einzige Zugverbindung nach Riga: mit dem Bummelzug in die Grenzstadt Valka, dort umsteigen in den naechsten Bummelzug nach Riga. Insgesamt ist man 4 1/2 Stunden unterwegs. Dafuer ist es trocken und das Fahrrad kann mit Gepaeck mitgenomen werden.
Hier komme ich wieder im gleichen Hostel wie vor zwei Wochen unter. Inzwischen hat auch hier die Oper ihr Programm gestartet.
In zwei Tagen gehts weiter - wahrscheinlich mit dem Zug nach Liepaja. Von dort sind es dann nur noch 90 km nach Klaipeda, wo die Faehre nach Sassnitz abfaehrt. Aus der urspruenglich geplanten Kuestentour entlang der lettischen Kueste wird wohl nichts mehr. "Es ist Herbst und da regnet es in Lettland", ist der Kommentar der Hostelbetreiberin.
Viele Guesse also nochmals aus Riga
Joachim Heidinger
10. September 2011
Tallinn
Hallo liebe Reisefreunde,
soeben bin ich in Tallin eingelaufen. Zuletzt verlief die Reise jedoch etwas holprig...
Doch der Reihe nach:
In Riga moechte ich eigentlich zwei Tage bleiben. Dauerregen am Vormittag des Abreisetages veranlasst mich aber, noch einen Tag dranzuhaengen. Der erste Tag ist der Stadt und seinen politischen Museen gewidmet. Dargestellt wird vor allem der Schrecken der russischen Besatzung. Die Deutschen kommen relativ glimpflich davon, obwohl sie in Riga auch alle Juden ermordet haben.
Am Nachmittag schlendere ich durch die riesigen Markthallen direkt neben dem Hostel. Es sind ehemalige Zeppelin-Hangars. Dort gibt es alles, vor allem aber spottbilige Lebensmittel...
Am zweiten Tag besuche ich zuerst das Jugendstielviertel der Stadt. Eine komplette Strasse mit eindrucksvollen mehrstoeckigen Jugendstilhausern ist erhalten geblieben und zumeist hervorragend renoviert.
Am Nachmittag fahre ich mit der S-Bahn ins benachbarte Seebad Jurmala. Ein gigantischer Sandstrand liegt vor den mondaenen Villen, der jetzt fast leer ist. Strandwanderer oder -radfahrer ueberwiegen. Den Regentag nutze ich fuer weitere Museen: zuerst das eher enttaeuschende Eisenbahnmuseum, dann die mehr zufaellig zusammengetragene staatliche Kunstsammlung.
Am naechsten Tag geht es endlich weiter bis Salacgriva, kurz vor der estischen Grenze. Anfangs nutze ich eine Nebenstrasse entlang der Kueste. Dann muss ich weiter auf der "Via Baltica" , der Fernstrasse nach Tallinn fahren. Mit zunehmender Entfernung von Riga nimmt die Qualitaet der Strasse ab, der LKW-Verkehr aber nicht. In Salacgriva finde ich ein Zimmer in einem Hotel, das vorwiegend als Pflegeheim fuer Senioren genutzt wird (ohne Lift). Der naechste Tag ist stark bewoelkt. Kurz hinter der Grenze zu Estland beginnt eine wunderschoene Radroute abseits der Fernstrasse. Nach 30 kim endet leider das Vergnuegen. Es bleibt nur der Weg auf der Fernstrasse. Unterwegs rette ich mich wieder in ein Buswartehaeuschen vor dem einsetzenden Regen. Dabei begegnen mir zwei junge Maenner, die von Tampere nach Hannover trampen wollen (in 16 Tagen). Sie uebernachten nur im Zelt, im Wald. Heute nimmt sie aber niemand mit. So marschieren sie im Regen weiter entlang der Fernstrasse.
Abens bin ich im Seebad Paernu. Dort komme ich in einem preiswerten Hostel unter. Die Saison ist hier bereits bgeendet. Die Strandpromenade ist verwaist. Nur ein paar Kite-Surfer nutzen den Wind und das flache Wasser. Gestartet wird im Flachwasser liegend, wenn der Wind den Drachen so stark treibt, dass er zum Aufstehen reicht.
Gestern nun fahre ich zuerst in Richtung Westen nach Lihula, um der Fernstrasse zu entkommen. Auf der Weiterfahrt auf der N 10 ueberrascht mich erstmals ein Schauer, dem ich nicht entkommen kann. Alles wird ziemlich nass... Auf der Suche nach einer Unterkunft beginnt dann das erste Problem. Nach langem Fragen und Telefonieren ergibt sich, dass es in Laiste ein Hotel im alten Schloss geben soll. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreiche ich das Haus. Das Zimmer kostet erbarmungslos 62 Euro, derselbe Preis wie fuer zwei Personen. Ich beschliesse zunaechst mit der nahen S-Bahn noch nach Tallinn zu Fahren. Am Bahnhof schaue ich nochmals auf die Hotelbeschreibung: Sie bietet auch Camping an. Also gehts wieder zurueck. Ich darf im Schlossgarten mein Zelt aufstellen. Es gibt aber keine Infrastruktur (Dusche, Toilette). Nachts beginnt es wieder zu regnen. Morgens ist das Zelt durchgaengig nass.
Ich raeume trotzdem ein und begebe mich auf die loetzten 40 km nach Tallinn. Obwohl ich schon mittags dort bin, sind alle Hostels ausgebucht !! Dies sei jedes Wochenende so. Wenn in den anderen Staedten schon das Gefuehl von Nachsaison aufkommt, herrscht hier noch touristische Hauptsaison.
Nach vielen Versuchen, bei denen mir jeweils die Hostelbetreiber weiterhelfen, finde ich das letzte Bett in einem etwas ausserhalb liegenden Haus. Das aber nur, weil kurz vorher jemand seine Vorausbuchung wieder zurueckgezogen hat. Glueck also...
Viele Gruesse Tallinn
Joachim Heidinger
soeben bin ich in Tallin eingelaufen. Zuletzt verlief die Reise jedoch etwas holprig...
Doch der Reihe nach:
In Riga moechte ich eigentlich zwei Tage bleiben. Dauerregen am Vormittag des Abreisetages veranlasst mich aber, noch einen Tag dranzuhaengen. Der erste Tag ist der Stadt und seinen politischen Museen gewidmet. Dargestellt wird vor allem der Schrecken der russischen Besatzung. Die Deutschen kommen relativ glimpflich davon, obwohl sie in Riga auch alle Juden ermordet haben.
Am Nachmittag schlendere ich durch die riesigen Markthallen direkt neben dem Hostel. Es sind ehemalige Zeppelin-Hangars. Dort gibt es alles, vor allem aber spottbilige Lebensmittel...
Am zweiten Tag besuche ich zuerst das Jugendstielviertel der Stadt. Eine komplette Strasse mit eindrucksvollen mehrstoeckigen Jugendstilhausern ist erhalten geblieben und zumeist hervorragend renoviert.
Am Nachmittag fahre ich mit der S-Bahn ins benachbarte Seebad Jurmala. Ein gigantischer Sandstrand liegt vor den mondaenen Villen, der jetzt fast leer ist. Strandwanderer oder -radfahrer ueberwiegen. Den Regentag nutze ich fuer weitere Museen: zuerst das eher enttaeuschende Eisenbahnmuseum, dann die mehr zufaellig zusammengetragene staatliche Kunstsammlung.
Am naechsten Tag geht es endlich weiter bis Salacgriva, kurz vor der estischen Grenze. Anfangs nutze ich eine Nebenstrasse entlang der Kueste. Dann muss ich weiter auf der "Via Baltica" , der Fernstrasse nach Tallinn fahren. Mit zunehmender Entfernung von Riga nimmt die Qualitaet der Strasse ab, der LKW-Verkehr aber nicht. In Salacgriva finde ich ein Zimmer in einem Hotel, das vorwiegend als Pflegeheim fuer Senioren genutzt wird (ohne Lift). Der naechste Tag ist stark bewoelkt. Kurz hinter der Grenze zu Estland beginnt eine wunderschoene Radroute abseits der Fernstrasse. Nach 30 kim endet leider das Vergnuegen. Es bleibt nur der Weg auf der Fernstrasse. Unterwegs rette ich mich wieder in ein Buswartehaeuschen vor dem einsetzenden Regen. Dabei begegnen mir zwei junge Maenner, die von Tampere nach Hannover trampen wollen (in 16 Tagen). Sie uebernachten nur im Zelt, im Wald. Heute nimmt sie aber niemand mit. So marschieren sie im Regen weiter entlang der Fernstrasse.
Abens bin ich im Seebad Paernu. Dort komme ich in einem preiswerten Hostel unter. Die Saison ist hier bereits bgeendet. Die Strandpromenade ist verwaist. Nur ein paar Kite-Surfer nutzen den Wind und das flache Wasser. Gestartet wird im Flachwasser liegend, wenn der Wind den Drachen so stark treibt, dass er zum Aufstehen reicht.
Gestern nun fahre ich zuerst in Richtung Westen nach Lihula, um der Fernstrasse zu entkommen. Auf der Weiterfahrt auf der N 10 ueberrascht mich erstmals ein Schauer, dem ich nicht entkommen kann. Alles wird ziemlich nass... Auf der Suche nach einer Unterkunft beginnt dann das erste Problem. Nach langem Fragen und Telefonieren ergibt sich, dass es in Laiste ein Hotel im alten Schloss geben soll. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreiche ich das Haus. Das Zimmer kostet erbarmungslos 62 Euro, derselbe Preis wie fuer zwei Personen. Ich beschliesse zunaechst mit der nahen S-Bahn noch nach Tallinn zu Fahren. Am Bahnhof schaue ich nochmals auf die Hotelbeschreibung: Sie bietet auch Camping an. Also gehts wieder zurueck. Ich darf im Schlossgarten mein Zelt aufstellen. Es gibt aber keine Infrastruktur (Dusche, Toilette). Nachts beginnt es wieder zu regnen. Morgens ist das Zelt durchgaengig nass.
Ich raeume trotzdem ein und begebe mich auf die loetzten 40 km nach Tallinn. Obwohl ich schon mittags dort bin, sind alle Hostels ausgebucht !! Dies sei jedes Wochenende so. Wenn in den anderen Staedten schon das Gefuehl von Nachsaison aufkommt, herrscht hier noch touristische Hauptsaison.
Nach vielen Versuchen, bei denen mir jeweils die Hostelbetreiber weiterhelfen, finde ich das letzte Bett in einem etwas ausserhalb liegenden Haus. Das aber nur, weil kurz vorher jemand seine Vorausbuchung wieder zurueckgezogen hat. Glueck also...
Viele Gruesse Tallinn
Joachim Heidinger
3. September 2011
Riga
Hallo liebe Leser,
in Vilnius goenne ich mir zwei Tage Pause. Ein Bummel durch die Altstadt beginnt an der Kathedrale des Erzbistums, geht ueber den Burgberg, den Gruendungsort der Stadt, durch die Gassen mit den kleinen Kreativlaeden und endet an der juedischen Synagoge, der einzigen, die die Deutschen haben stehen lassen.
Das Feindbild der Litauer wird aber - anders als in Polen, wo noch heute die russischen Panzer auf dem Denkmalssockel stehen - vorwiegend von der russischen Besetzung, weniger von den Ereignissen im zweiten Weltkrieg gepraegt. Und das, obwohl in Vilnius ein Drittel der Bevoelkerung von Deutschen ermordet wurde, naemlich der sehr hohe juedische Anteil. Im KGB-Museum in Vilnius werden nicht nur die Akten zur Einsichtnahme offen gelegt, sondern auch die Folterkammern im Keller gezeigt.
Abends singt der Kammerchor aus Belarus in der Jakobskirche. Hervorragender Chorklang ueberzeugt bei der russisch-deutschen Auswahl.
Den zweiten Tag lasse ich ruhiger angehen. Ein Bummel durch die Markthalle und den angrenzenden Basar erinnert an tuerkische Staedte. Der Ausflug zum 5 km entfernten Flughafen belegt das geringe Verkehrsaufkommen. Nur kleine Flugzeuge koennen hier landen. Immerhin erreicht man verschiedene europaeische Hauptstaedte: London, Bruessel, Riga,... Am Nachmittag komme ich zufaellig durch den riesigen Vingio-Park. Er besitzt eine gigantische Konzertmuschel mit Bestuhlung - offenbar fuer die Saengerefeste. Heute wird wieder eine grosse Rockbuehne aufgebaut. Sie wirkt eher klein gegen die Kuppel dahinter.
Auch heute Abend ist Kammerchor angesagt - diesmal der aus Vilnius. Er singt einen kompletten EvenSong, dann noch Chormusik franzoesischer Komponisten - leider begleitet von einer elektronischen Orgel...
Nach drei strahlenden Sonnentagen in Vilnius ist der Abreistag nun stark bewoelkt. Auf der A14 fahre ich nach Utena (96 km). Angesichts des geringen Verkehrsaufkommens ist es hier kein Problem, auch Fernstrassen mit dem Fahrrad zu nutzen. Oft bin ich auf der Strasse allein. Sie ist aber gut ausgebaut, so dass ich schnell voran komme. Einziger Ort unterwegs ist Moletai im litauischen Seengebiet. Die Seein sind hier aber kleiner als in Masuren und nicht miteinander verbunden. Der Tourismus ist daher noch gering.
In Utena begruessen mich riesige Gebrauchtwagenhaendler. In grossen Autotransportern werden Altfahrzeuge aus Europa hierher transportiert und fuer den litauischen Markt hergerichtet.
Der zweite Fahrtag beginnt unter einer schweren Wolkendecke. Leichter Niesel begleitet mich anfangs. Der zunehmende Nordwestwind ist kalt und blaest mir teilweise entgegen. Bis Kupiskis klart es dann sogar auf. Jetzt aber entlaedt sich ein heftiger Schauer, den ich zum Glueck im ueberdachten Eingang eines Einkaufszentrums abwarten kann. Trotz spaeter Stunde starte ich noch nach Birzai. Eine Wolke mit leichten Regen treibt mich vor sich her. Nach 105 km bin ich in der lebendigen Kleinstadt. An der Tankstelle erhalte ich - wieder einmal die Beschreibung des (langen) Wegs zum einzigen Hotel. Zwei junge Maenner erbarmen sich meiner Hilflosigkeit und fahren mit ihrem Gelaendwagen voraus, so dass ich bis zum Hotel folgen kann. Es liegt idyllisch an einem der Seen, waere aber kaum zu finden gewesen.
Heute Morgen gibts seit langem mal wieder ein ausgiebiges Hotel-fruestueck. So gestaerkt fahre ich die ersten 50 km trotz scharfem Gegenwind durch. Die offenen Felder bis zur lettischen Grenze bieten keinerlei Schutz gegen den erbarmungslosen Wind. Zum Glueck verlauft die Strasse in Lettland dann vorwiegend im Wald. So habe ich doch noch Hoffnung die 100 km bis Riga zu schaffen. Einen kleinen Umweg goenne ich mir an der Staumauer von Salaspils. Der grosse Daugava-Fluss wird hier auf etwa 20 m ueber Gelaende aufgestaut. Ein grosses Kraftwerk erzeugt regenerative Elektrizitaet. Allerdings sind die schweren Hochspannungs-transformatoren keine zwei Meter von der Strasse entfernt. Es brummt und knistert gespenstisch.
Die Stadteinfahrt am rechten Ufer erlaubt, die zunehmende Verstaedterung des Ufers auf den letzten 15 km zu beobachten. Zuletzt gelangt man auf einer aufwaendig trassierten Stadtautobahn entlang des Ufers direkt an den Rand der Altstadt. Im "Backpackers Planet" erhalte ich fuer 11 Letva (= 14 Euro) ein Einzelzimmer. Es ist in eine ehemalige Lagerhalle direkt gegenueber der Markthalle und des Bahnhofs eingebaut. Der Fussgaengertunnel durch den Bahnhof fuehrt direkt in die Altstadt...
Viele Gruesse aus dem naechtlichen Riga
Joachim Heidinger
in Vilnius goenne ich mir zwei Tage Pause. Ein Bummel durch die Altstadt beginnt an der Kathedrale des Erzbistums, geht ueber den Burgberg, den Gruendungsort der Stadt, durch die Gassen mit den kleinen Kreativlaeden und endet an der juedischen Synagoge, der einzigen, die die Deutschen haben stehen lassen.
Das Feindbild der Litauer wird aber - anders als in Polen, wo noch heute die russischen Panzer auf dem Denkmalssockel stehen - vorwiegend von der russischen Besetzung, weniger von den Ereignissen im zweiten Weltkrieg gepraegt. Und das, obwohl in Vilnius ein Drittel der Bevoelkerung von Deutschen ermordet wurde, naemlich der sehr hohe juedische Anteil. Im KGB-Museum in Vilnius werden nicht nur die Akten zur Einsichtnahme offen gelegt, sondern auch die Folterkammern im Keller gezeigt.
Abends singt der Kammerchor aus Belarus in der Jakobskirche. Hervorragender Chorklang ueberzeugt bei der russisch-deutschen Auswahl.
Den zweiten Tag lasse ich ruhiger angehen. Ein Bummel durch die Markthalle und den angrenzenden Basar erinnert an tuerkische Staedte. Der Ausflug zum 5 km entfernten Flughafen belegt das geringe Verkehrsaufkommen. Nur kleine Flugzeuge koennen hier landen. Immerhin erreicht man verschiedene europaeische Hauptstaedte: London, Bruessel, Riga,... Am Nachmittag komme ich zufaellig durch den riesigen Vingio-Park. Er besitzt eine gigantische Konzertmuschel mit Bestuhlung - offenbar fuer die Saengerefeste. Heute wird wieder eine grosse Rockbuehne aufgebaut. Sie wirkt eher klein gegen die Kuppel dahinter.
Auch heute Abend ist Kammerchor angesagt - diesmal der aus Vilnius. Er singt einen kompletten EvenSong, dann noch Chormusik franzoesischer Komponisten - leider begleitet von einer elektronischen Orgel...
Nach drei strahlenden Sonnentagen in Vilnius ist der Abreistag nun stark bewoelkt. Auf der A14 fahre ich nach Utena (96 km). Angesichts des geringen Verkehrsaufkommens ist es hier kein Problem, auch Fernstrassen mit dem Fahrrad zu nutzen. Oft bin ich auf der Strasse allein. Sie ist aber gut ausgebaut, so dass ich schnell voran komme. Einziger Ort unterwegs ist Moletai im litauischen Seengebiet. Die Seein sind hier aber kleiner als in Masuren und nicht miteinander verbunden. Der Tourismus ist daher noch gering.
In Utena begruessen mich riesige Gebrauchtwagenhaendler. In grossen Autotransportern werden Altfahrzeuge aus Europa hierher transportiert und fuer den litauischen Markt hergerichtet.
Der zweite Fahrtag beginnt unter einer schweren Wolkendecke. Leichter Niesel begleitet mich anfangs. Der zunehmende Nordwestwind ist kalt und blaest mir teilweise entgegen. Bis Kupiskis klart es dann sogar auf. Jetzt aber entlaedt sich ein heftiger Schauer, den ich zum Glueck im ueberdachten Eingang eines Einkaufszentrums abwarten kann. Trotz spaeter Stunde starte ich noch nach Birzai. Eine Wolke mit leichten Regen treibt mich vor sich her. Nach 105 km bin ich in der lebendigen Kleinstadt. An der Tankstelle erhalte ich - wieder einmal die Beschreibung des (langen) Wegs zum einzigen Hotel. Zwei junge Maenner erbarmen sich meiner Hilflosigkeit und fahren mit ihrem Gelaendwagen voraus, so dass ich bis zum Hotel folgen kann. Es liegt idyllisch an einem der Seen, waere aber kaum zu finden gewesen.
Heute Morgen gibts seit langem mal wieder ein ausgiebiges Hotel-fruestueck. So gestaerkt fahre ich die ersten 50 km trotz scharfem Gegenwind durch. Die offenen Felder bis zur lettischen Grenze bieten keinerlei Schutz gegen den erbarmungslosen Wind. Zum Glueck verlauft die Strasse in Lettland dann vorwiegend im Wald. So habe ich doch noch Hoffnung die 100 km bis Riga zu schaffen. Einen kleinen Umweg goenne ich mir an der Staumauer von Salaspils. Der grosse Daugava-Fluss wird hier auf etwa 20 m ueber Gelaende aufgestaut. Ein grosses Kraftwerk erzeugt regenerative Elektrizitaet. Allerdings sind die schweren Hochspannungs-transformatoren keine zwei Meter von der Strasse entfernt. Es brummt und knistert gespenstisch.
Die Stadteinfahrt am rechten Ufer erlaubt, die zunehmende Verstaedterung des Ufers auf den letzten 15 km zu beobachten. Zuletzt gelangt man auf einer aufwaendig trassierten Stadtautobahn entlang des Ufers direkt an den Rand der Altstadt. Im "Backpackers Planet" erhalte ich fuer 11 Letva (= 14 Euro) ein Einzelzimmer. Es ist in eine ehemalige Lagerhalle direkt gegenueber der Markthalle und des Bahnhofs eingebaut. Der Fussgaengertunnel durch den Bahnhof fuehrt direkt in die Altstadt...
Viele Gruesse aus dem naechtlichen Riga
Joachim Heidinger
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